Diether Dehm, Mitglied des Vorstandes der Linken, will Kapitalismus und Sozialismus intelligent mischen. Mit ihm sprach Wolfgang Suckert.

Ist Ihre Linkspartei momentan ein schnittiger Ozeanliner oder dümpelt sie als schwerer Tanker auf Reede dahin?
Ich kenn mich in der maritimen Sprache nicht so aus. Ein schnittiger Ozeanliner wollten wir aber nie sein. Wir sind ein kräftiges Boot, aber in einer sehr schweren See.

Stellt es Sie zufrieden, wenn Ihre Parteivorsitzenden nach den Wahlen so tun, als wäre nichts geschehen?
Das tun sie nicht, denn ich habe aus ihrem Munde gehört, dass wir natürlich vorhatten, in die beiden Landtage einzuziehen. Das war realistisch, aber auch schon eine Woche vorher war klar, dass wir es nicht schaffen. Die Ereignisse in Fukushima haben uns mindestens zwei bis drei Prozent gekostet. Obwohl die Grünen den Schwachsinn vom ökologischen Kapitalismus vertreten, glauben immer noch viele, sie seien Anwalt der Umwelt.

Mit welchen Themen kann die Linkspartei punkten?
Wir wollen die Vergesellschaftung der Energiekonzerne. Wir sind dafür, dass die Energiekonzerne rekommunalisiert oder verstaatlicht werden. Dann wollen wir auch die Verstaatlichung des Kreditsektors. Die Deutsche Bank kreditiert nicht nur japanische, sondern auch türkische und indische AKWs in Erdbebenregionen. Beim Großkapital rangiert Profitsucht immer vor menschlicher Verantwortung. Die Deutsche Bank holt sich bei der Europäischen Zentralbank Kredite für ein Prozent und verleiht das Geld für dreizehn bis siebzehn Prozent weiter.

Das ist nicht verboten . . .
Leider nicht. Großkapitalistisches Eigentum und menschliche Zukunft vertragen sich nun mal nicht. Die Vorzüge von Kapitalismus und von Sozialismus müssen intelligent gemischt werden.

Welchen Ihrer Songs würden Sie der Partei als Taktik vorschlagen, "Faust auf Faust" oder "Das weiche Wasser"?
Auf jeden Fall "Faust auf Faust" gegen die Ackermänner dieser Welt und "Das weiche Wasser", das den Stein bricht, für Kleinunternehmen, Arbeitende und Arbeitslose.

Wolfgang Suckert / 31.03.11 / TA