Wenn Günter Grass nun spät, aber nicht zu spät, sagt, die „Systemfrage“ müsse „gestellt werden“, wenn Brooks und Moore ihren Glauben an den Kapitalismus einschränken und Frank Schirrmacher gestern in der FAS sogar so weit geht, allmählich zu glauben, dass DIE LINKE Recht hat, muss die Abschaffung dieses kapitalistischen Regimes auf die Tagesordnung. Noch haben wir die Chance demokratisch institutionell in Zentraleuropa die Diskussion über den sozialen und ökologischen Aufbruch in eine wirkliche Demokratie zu gestalten.

Selbst dieser Bundestag könnte dabei eine entscheidende Prägung bewirken. Sonst droht in ganz Europa wie in Paris, Athen, Madrid und London eine Verwilderung des Zorns, der grundgesetzförmig nur noch schwer beizukommen ist. Auf die demokratischen Systemkritiker zu prügeln, wie Springer und Spiegel, wird sich schon in kurzer Zeit, als ein ebenso anachronistisches Unterfangen herausstellen. Auch das dogmatische Festhalten an dieser so verfassten EU ist von schnellem Verfallsdatum.

Was auf die Tagesordnung gehört, ist eine neue demokratische Formation, die unternehmerisch ist, menschliche wie andere natürliche Ressourcen spart und gewerkschaftliche Vorstellungen als absolut zivilisatorische Mindeststandards wie selbstverständlich akzeptiert. Erst dann, wenn Banken- und die erdrückende Monopolmacht überwunden sind, können sich unternehmerische Talente wie die Schumpeters wieder entfalten. Wer diese demokratische Formation nicht sozialistisch nennen möchte, mag darauf verzichten.



Quellen
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Der-rechte-Abschied-von-der-Politik/story/22710602
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.08.2011)