Persönliche Webseite von Dr. Diether Dehm, MdB

 
 
 
 

Immerzu werden Antifaschisten und Antimilitaristen hierzulande mit der Forderung bedrängt, sich von anderen zu distanzieren. Als eine besonders wirksame Methode des Auseinanderdividierens erweist sich die Anschuldigung, diese oder jene Gruppe und jeder, der mit ihnen Umgang habe, seien Faschisten.

Kürzlich schrieb mir ein führendes Mitglied der Partei Die Linke, Antifaschismus bedeute für ihn,

,"gegen antiemanzipatorische, antihumanistische, diskriminierende, rassistische, sexistische, antisemitische und nationalistische Tendenzen vorzugehen, denn diese führen in letzter Konsequenz zum Faschismus, den es zu bekämpfen gilt". Ja gut, aber sollen wir nun etwa anhand eines solchen Kriterienkatalogs entscheiden, wer mit wem gemeinsam gegen die NPD oder gegen Rüstungsexporte oder gegen die Schnüffelei der Geheimdienste demonstrieren darf? Nicht jedes Vorurteil macht einen Faschisten aus, und je mehr Ausgrenzungsgründe wir auflisten, desto weniger Mitdemonstranten bleiben übrig – was mir auch der Zweck vieler Distanzierungsforderungen zu sein scheint.

 

Mir fällt auf, daß unter den Faschismus-Kriterien gewöhnlich die beiden glatt vergessen werden, die ich für die entscheidenden halte: Gewerkschaftsfeindlichkeit und Antikommunismus. Was alle Faschismen der Welt miteinander verbindet – auch den ausdrücklich nicht antisemitischen im Italien Mussolinis oder im Chile Pinochets und besonders deutlich den prosemitischen des norwegischen Massenmörders Breivik –, ist doch gerade die Tendenz zur Zerschlagung der Arbeiterbewegung und ihrer Organisationen.

 

Mein Vater hat mir eine Erfahrung aus dem Jahre 1971 vermacht, als in der Chemie-Industrie erstmals nach Jahrzehnten gestreikt wurde. Da schwatzten zunächst sogar Betriebsratskollegen von "Itakern" und "Spaghettifressern", mit denen sie nur ungern streiken wollten. Als sie dann aber beim gemeinsamen Postenstehen am Werkstor zwei Wochen lang Streikbrecher gestoppt hatten, war am Arbeitsplatz wie auch im Betriebsrat von Xenophobie nichts mehr zu spüren.

 

Es ist einfach töricht, die Überwindung von Vorurteilen zur Vorbedingung gemeinsamer Aktionen zu machen. Vielmehr lassen sich Vorurteile gerade in der gemeinsamen Aktion überwinden.

 

Als die Nazis 1932 bei der November-Wahl 1,2 Millionen Stimmen verloren – teilweise nach links –, sagte kein Ossietzky und kein Brecht: Wir wollen diese Stimmen nicht, sie kommen ja von rechts; sie waren froh darüber, hatten darauf hingearbeitet. Brecht hatte sogar eine Art Werbelied für SA-Leute geschrieben.

 

Ich kann auch meine Partei Die Linke nur davor warnen, sich im Streit über den Umgang mit angeblichen "Verschwörungstheoretikern", "strukturellen Antisemiten", "autoritären Charakteren", "Antieuropäern", "Antiamerikanern", "Populisten mit verkürzter Kapitalismuskritik", "Chauvis", "Machos", "latenten Sexisten" und "homophoben Heimatfetischisten" zu zerreiben. Medienkonzerne, vielleicht auch geheimdienstliche Sprachlabore liefern dafür nur allzu gern die Verwirrwörter, und sogenannte Antideutsche oder Gemäßigte in der Partei greifen sie nur allzu gern auf.

 

Weil wir als Linke schon für alles mögliche beschimpft, verboten oder berufsverboten worden sind, sollten wir besonders in Zeiten von Facebook und Twitter niemandem leichthin gestatten, ohne belastbare Beweise mit rufmordenden Begriffen wie "Faschist", "Nazi", "Rassist", "Antisemit" die berufliche und politische Existenz zu zerstören.

 

Diether Dehm


facebooktwittergoogle plusflickryoutuberss

Newsletter

DD sprach mit

Diether Dehm Smartphone App

Europa für die Hosentasche.

Jetzt gibt es Diether Dehm als offizielle App fürs Smartphone!

Hol Dir die App hier

Banner WeltnetzTV

BAGLIU
ich-schau-hin

unruhe stiften

Sozialquiz