
"Das Bekenntnis" ist der eindrucksvollste Roman meiner letzten zehn Lesejahre. Und das, obwohl hochgepriesene Dichter, von Vonnegut bis Houellebecq, den klassischen Roman demontiert hatten. Immerhin jedoch: auch Konstantin Wecker bekennt sich zur "Grisham-Sucht". Jede Sucht giert nach Wiedergutmachung depravierender Versuchsanordnungen aus dem richtigen Leben. Die sollen dann in fingierter Eigenregie - etwa im Computerspiel oder im Gottesdienst - antipodisch nachgestellt werden. Nur halt: mit besserem Ausgang. Belletristik-Sucht hingegen bietet Rausch und Entzug in einem. Diese Evasion, dem Leserleben dialektisch abgelauscht, wird im Unwirklichen einer großen Erzählung zur unerwarteten Erwartung anderer Wirklichkeit. Wo Unentrinnbares auf den Leser zuwalzt, wirbelt aus einer Deckung ein unerwarteter Fakt hoch und kippt mit Hebelwirkung die ganze mächtige Niederwalze. Hollywoodautor Grisham bekam drum von links vorgeworfen, zuoft in Happy-Ends zu münden. Wie Beethoven. Dem hatten zeitgenössische Musikkritiker die Schlichtheit der Neunten Sinfoniemelodie vorgeworfen. Worauf dieser entwaffnend kindlich reagierte: "Was würden Sie denn machen, wenn Sie einen so schönen Einfall gehabt hätten?"
Michel Houellebecq ist nicht nur Europas aktueller Bestseller- und Feuilleton-Star, sondern versammelt eine erstaunliche „Querfront“ von Lobadressen aus prominenten Rechten in Frankreich bis zu linken Gallionsfiguren in Deutschland. Er schreibt sexistisch, politisch unkorrekt, sarkastisch und rechnet mit Intellektuellen aller Couleurs heftigst ab. Sein neuer Roman Serotonin wird als ein Meisterwerk der Verzweiflung an den Eliten gepriesen. Diether Dehm (Psychologe, Autor, Literaturwissenschaftler) fällt in seiner Wertung nicht ganz so eindeutig aus.
Die "Staaten-und-Grenzen-weg!-Linke" hat im ganzen EU-Imperium ihre Katastrophe gehabt. Ängste um den Sozialstaat wurden so wenig angesprochen, wie Irankrieg und NATO-Aufmarsch gegen Russland.
Meine Rede gestern im Bundestag zum EU-Budget: Wir sehen die Demagogie der AfD, jede Kontrolle der Konzerne in den großen Topf eines EU-Bürokratismus zu werfen. Jeder Staat braucht aber eine bürokratische Kontrolle von Konzernen und Superreichen; denn die sind diejenigen, die sich dann auch oftmals der staatlichen Mittel bedienen.
Kevin Kühnert steht hier nicht nur in der Tradition herausragender Juso-Bundesvorsitzender der letzten 40 Jahre, welche stets, nach Art. 15 GG, die Vergesellschaftung bestimmter menschheitsgefährdender Konzerne gefordert hatten, sondern auch einer SPD, die ohne diesen Art. 15 dem Grundgesetz 1949 gar nicht zugestimmt hätte. Monopolprofite waren ja stets Antrieb zur Produktion von Umweltkatastrophen, Kriegen, Faschismus und deren Leichenbergen.
Zu der Entscheidung des EU-Rates für die EU-Urheberrechtsreform am heutigen Montag erklärt Dr. Diether Dehm, mittelstandspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, teilweise abweichend von Voten anderer Gremien der LINKEN:
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