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Kategorie: Reden 2012

Es gibt genau zwei Möglichkeiten, mittels derer sich jeder der hier abstimmenden

Abgeordneten seines Votums vergewissern und dieses vor sich selbst rechtfertigen kann: Da ist zum einen das Gewissen als moralische Instanz, von dem man nicht immer ganz klar und eindeutig sagen kann, seine Forderung sei richtig oder falsch. Und zum anderen kann und muss sich jeder, der der heute zur Debatte stehenden Entscheidung über eine Verlängerung des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan zustimmen will, die Frage beantworten: Hat sich etwas verbessert in diesem Land, wurde der afghanischen Bevölkerung geholfen?

 

 

Freiheit, Demokratie, Bildung, Gesundheit und Frauenrechte waren die von den Befürwortern des Einsatzes immer wieder benannten Ziele, die es rechtfertigen sollten, diesem Kriegseinsatz zu zustimmen. Nach zehn (10!) Jahren Krieg und Milliarden von Hilfsgeldern ist aber keines, nicht ein einziges, dieser Ziele erreicht worden! Und ich bin davon überzeugt, dass auch das neue Minimalziel der NATO für Afghanistan, die Etablierung effektiver Staatlichkeit, nicht realistisch ist.

Realistisch ist allenfalls ein reaktionäres Bündnis aus dem Clan um Hamid Karzai, den

 

Taliban und der Nord-Allianz. Dafür braucht man aber keinen Krieg!

Deswegen ist jeder Tag, an dem Krieg ist in Afghanistan, ein Tag zu viel. Ist jedes Todesopfer ein sinnloses Gewaltopfer – und damit meine ich ausdrücklich auch die gefallenen deutschen Soldaten, die Verletzten, die Traumatisierten.

Ich kann nicht sehen, wie ich – weder aus Gewissensgründen noch aus pragmatischen Erwägungen – dieser Einsatzverlängerung zustimmen können sollte.

Dr. Diether Dehm