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Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 7. Juli 2005
http://www.lvz-online.de/lvz-heute/3195.html

Leipzig/Dresden. Peter Sodann tritt nun doch nicht für das neue Linksbündnis an. Der Schauspieler zog gestern - nach nur zwei Tagen - überraschend seine Kandidatur für die offene Liste der Sachsen-PDS zurück.


"Ich habe alles noch mal überlegt und festgestellt, dass ich doch lieber ein politisch denkender Schauspieler bleiben als ein schauspielender Politiker werden will", erklärte Sodann sich gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Erst nach dem Presserummel der vergangenen Tage sei ihm bewusst geworden, dass er "doch nicht der richtige Mann dafür" ist.
Für Sachsens PDS-Landeschefin Cornelia Ernst ist Sodanns Rückzieher "die Konsequenz der Ausgrenzungspolitik" gegenüber dem Schauspieler. Das Ganze "grenzt an die Berufsverbotspraxis" und sei "Erpressung pur". Die Linkspartei liegt laut Umfragen bei 30 Prozent, ihre Vertreter aber würden "behandelt wie Aussätzige", schimpfte Cornelia Ernst. PDS-Bundesvize Katja Kipping meinte: "Das ist ein Verlust für den Bundestag. Dem Fernsehzuschauer aber ist zu gönnen, dass er als Tatort-Kommissar erhalten bleibt."
PDS-Wahlkampfleiter Bodo Ramelow übte heftige Kritik an der Vorgehensweise des MDR. "Die haben Sodann angedroht, dass Kommissar Ehrlicher stirbt, obwohl Sodann noch nicht einmal gewählt war. Das ist nicht nur eine Geste der Macht, sondern eine infame und inszenierte Hexenjagd", sagte Ramelow der LVZ. "Wir haben wieder kalten Krieg in Deutschland, offensichtlich kann man sich mit einer starken Linken nicht abfinden. Ich habe den Eindruck, dass sich im MDR eine kalte, westdeutsche Haltung breit macht", so Ramelow weiter. Durch das instinktlose und empörende Verhalten des Senders sei der Familie Sodann Schaden zugefügt worden, "so etwas geht an die Substanz eines Menschen". Der PDS-Landeschef von Niedersachsen, Diether Dehm, sieht einen Angriff auf die Verfassung: "Das Grundgesetz fordert zum staatsbürgerlichen parlamentarischen Engagement auf - und zwar alle Berufgruppen."
Der Landesvorstand der WASG in Sachsen, Tilo Wirtz, sagte, die PDS stehe nach dem Rückzug der Kandidatur von Sodann vor einem Scherbenhaufen: "Die PDS hat äußerst unprofessionell agiert und bekommt nun die Quittung dafür." Die Entscheidung für Sodann sei voreilig und schlecht vorbereitet gewesen. WASG-Bundesvorstand Murat Cakir: "Ich würde es begrüßen, wenn ein Spitzenkandidat von uns akzeptiert werden würde."
Der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer zeigte sich dagegen zufrieden über den Sodann-Rückzieher. "Jetzt können wir ihn als Tatort-Ermittler im Fernsehen sehen", sagte er der LVZ. Die PDS kritisierte er, dass sie immer wieder versuche, über Prominente, die dann im Bundestagsalltag die Hinterbänke drücken, auf Wählerfang zu gehen. Das sei schon bei Täve Schur gescheitert, der "ins politische Nirvana geradelt ist".