Besprechung über ein Buch hinaus

Bernd Riexingers "Neue Klassenpolitik" erschien 2018 im VSA-Verlag. Doch der Untertitel "Solidarität der Vielen statt Herrschaft der Wenigen" wird dem Buch gerechter. Wer Beispiele in der Vergangenheit des erfolgreichen Gewerkschaftsvorsitzenden - nicht nur in dessen Stuttgarter Raum - erfahren will, hat die 14,80 Euro gut angelegt. Die Summe seiner Berichte aus gewerkschaftlichen Einzelkämpfen, soziologische Tabellen und empirisch begründete Einschätzungen machen das Buch durchaus lesenswert.

Der Stadtrat will an dem Ort, der die Erinnerung an Hunger, Zwangsarbeit und Tod während des deutschen Faschismus hinterlassen hat, den Bau eines "Deutschen Bratwurstmuseums" als Teil von mehreren Investitionsobjekten eines örtlichen Unternehmers ermöglichen. Die stellvertretende Vorstandvorsitzende der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald, Dora, Dr. Irmgard Seidel, schrieb einen offenen Brief an den Oberbürgermeister der Staft Mühlhausen:

Liebe Genossinnen und Genossen,

der Bitte von Christof Schuster komme ich hiermit nach und möchte auch Euch auffordern, diese Information weiter zu verbreiten in Euren jeweiligen Kreisen. Bin nach der Lektüre echt wütend!

Solidarische Grüße
Diether

Großen Dank für die Veröffentlichung (von Widerspruch und Dialektik) und für die Brillanz an den Autor Wolfgang Fritz Haug. Allerdings sitzt sein Brillant noch locker in der historischen Fassung, solange auf den zwei jW-Seiten von der Produktivkraftentwicklung keinerlei konkretisierende Rede ist. Denn auch das Verhältnis des empirischen (tradeunistischen) zum entfalteten ("revolutionären") Klassenbewusstsein unterliegt der Materialität von Geschichte. Das eine mehrt und nährt sich aus dem anderen, und das andere drängt das eine zu inneren Widersprüchen – und damit zu neuen theoretischen Qualitäten. Werktätiges Alltagsbewusstsein basiert zunächst organisch – außer auf religiösen, nationalen, politisch-organisierenden und anderen Einflüssen – auf industrieller Technikentwicklung. Und auf nationalen Erfolgen und Rückschlägen im Lohnkampf.

Liebe Genossinnen und Genossen,

zum Jahresende und vor den von unseren religiösen Genossinnen besonders begangenen Feiertagen wünsche ich Euch Wärme und Geborgenheit, also Zeit zum Luftholen und Nachdenken, um in dieser trendwendenden Zeit solidarisch und radikal die uns umgebenden Machtverhältisse in 2019 neu angehen zu können.

Fragen an Diether Dehm
(anlässlich seines Abschieds vom Amt des niedersächsischen Landesvorsitzenden am 19. November 2010 - nach sieben Jahren)